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Stephen Chbosky: The perks of being a wallflower (1999)

Tippt man „The pe“ in Google ein, vervollständigt die Suchmaschine automatisch mit „rks of being a wallflower“. Der zweite Vorschlag hat sogleich ein „quotes“ angehangen.

Es scheint sich also um ein Buch voll von Weisheiten, Aphorismen, Sinnsprüchen oder sonst wie zitier würdigen Aussagen, Sätzen und Passagen zu handeln.

Ich habe bei diesem Buch jedoch nur einen einzigen Satz gefunden, den ich zitieren möchte:

„I am very interested and fascinated by how everyone loves each other, but no one really likes each other.“ (S. 56)

Charlie, erst 15-, dann 16-jähriger Teenager und Protagonist des Buches, bezieht sich hierbei auf das Thanksgiving im Kreise seiner Familie. Diese und andere Erlebnisse seines Lebens in Texas schildert er in Briefen, welche er an einen unbekannten Freund richtet.

 Hierin verarbeitet er den Selbstmord eines Schulkameraden und Freundes, sein Dasein als Außenseiter und seine Konflikte mit der Familie. Er beschreibt, wie sein älterer Bruder zum Studieren auszieht, wie seine Schwester ihrem Schlägerfreund die Treue hält, obwohl ihre Eltern, selbst erfahren im Umgang mit gewaltbereiten Familienmitgliedern, ihr den Umgang verboten haben.

Charlies Leben erfährt eine entscheidende Wende, als er die Geschwister Sam und Patrick kennenlernt, sich sogleich mit den beiden anfreundet und sich mindestens genauso schnell in die schöne Sam verliebt. Beide sind älter als er und begleiten ihn bei seinen ersten Mädchen- und Drogenerfahrungen. Sie verlassen ihn und die Heimatstadt ebenso wie seine Schwester im folgenden Jahr für ihr Studium.

Charlie bleibt das ganze Buch hindurch irgendwie ein komischer Kauz, wächst dem Leser aber gleichzeitig ans Herz und wird zu seinem ganz persönlichen Sorgenkind. Alle Briefe sind mit „Dear Friend“ adressiert – natürlich fühlt man sich da als Leser angesprochen und irgendwie bedeutend. Der Marihuanakonsum des Jungen nimmt zeitweise gefährliche Ausnahmen an und auch ein LSD-Trip steckt er nicht gut weg. Der Grund hierfür wird in seiner mehr als weinerlichen Mentalität vermutet. Ständig fließen Tränen. Klar, Teenager sind oft schrecklich emotional, ich war ein Paradebeispiel für Weinerlichkeit und Nah-am-Wasser-gebaut-Sein. Aber wenn Charlie gefühlt auf jeder zweiten Seite weint und weint und weint, dann nervt es gewaltig und ich will ihn einfach nur an den Schultern packen, einmal durchschütteln und anschreien, dass er sich zusammenreißen soll.

Dabei hat er natürlich auch eine Menge durchgemacht. Seine Mutter wurde von ihrem Vater misshandelt, der übrigens immer noch in der Familie verweilt, und seine geliebte Tante starb bei einem Autounfall, als sie ein Geschenk für Charlie kaufen wollte. Dazu kommt ein schwieriges Verhältnis zu seinen Geschwistern. Er deckt die Beziehung seiner Schwester zu ihrem Schlägerfreund ebenso wie die Tatsache, dass sie eine Abtreibung durchführen lässt. Eine große Palette von „Problemen zu Hause“ also. Außerdem hat er nur wenige Freunde und seine Liebe zu Sam bleibt unerwidert und mehr als kompliziert.

Den wahre Grund für Charlies Verkorkstheit erfährt der Leser jedoch erst im Epilog, und das auch nur vage.

„The perks of being a wallflower“ ist also schon wieder ein Jugendbuch, und zwar ein solches, welches den Einzug in viele Englisch- und Literaturunterrichtsstunden geschafft hat. Macht mich das jetzt unglaubwürdig, wenn ich schon wieder über etwas schreibe, von dem ich sage, dass ich es eigentlich gar nicht mag? Ich folge wohl schlicht und einfach den Empfehlungen der Menschen in meinem Umfeld.

Und dieses Buch ist durchaus lesenswert. Ich wollte die 213 Seiten nicht weglegen und habe ihnen deshalb den ganzen Abend und die halbe Nacht gewidmet, nur um das Ende der Geschichte zu erfahren.

Allerdings stört mich, dass zu wenig passiert, obwohl so viel los ist. Mir fehlt ein richtiger Plot. Es geht um Familie, Freundschaft, Liebe, Sexualität, auch Homosexualität und Missbrauch, es geht um Gewalt und Schlägereien, Drogen und Partys, das Leben im Allgemeinen und das Leben während und nach der High-School im Speziellen.

Viele wichtige Themen also. Daher bestens geeignet als Jugendbuch, auch in der Retrospektive in meinem nicht mehr Teenie-Alter. Bei diesem Anspruch ist mir die Aussage jedoch nicht klar genug. Die zitierwürdigen Passagen nicht explizit genug – alles ein bisschen wie Fahren mit angezogener Handbremse. Deshalb wird „The perks of being a wallflower“ das Buch mit dem bisher einzigen Zitat – was aber keineswegs heißt, dass es das schlechteste aller bisher aufgegriffenen Bücher ist.

Stephen Chbosky: The perks of being a wallflower. New York 2012.

Siehe auch:

 


Deutscher Wikipediaartikel
Englischer Wikipediaartikel
17.6.14 11:26
 


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